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„Belarus – unbekannte Mitte Europas“, Europäische Humanistische Universität Minsk (Hg.)
Fibre Verlag (Schriftenreihe des IFD, Bd. 1), Minsk 2004, 279 Seiten, 24,50 Euro, ISBN 985-6723-42-6.
Von Friedrich Mannstein
EM 08-04 · 30.08.2004

 
„Belarus – unbekannte Mitte Europas“ 

EM – Das Handbuch ist von ungewöhnlicher, besser gesagt unrühmlicher Aktualität. „Belarus – unbekannte Mitte Europas“ ist der erste Band der Schriftenreihe des Instituts für Deutschlandstudien (IFD) in Minsk – und wohl auch der letzte. Die Meldung ging in den letzten Wochen durch die Presse: Die Europäische Humanistische Universität (EHU), zu der das IFD gehört, wurde geschlossen.

Als offiziellen Grund für die Auflösung der bekanntesten nichtstaatlichen Universität in Weißrußland (Belarus) nannte das Bildungsministerium in Minsk, die EHU hätte keine Räumlichkeiten, um den Lehrbetrieb durchführen zu können. Ein Vorwurf, der ebenso berechtigt wie unverschämt war. Schließlich hatte die Präsidialadministration kurz zuvor den Mietvertrag für das Gebäude der EHU überraschend aufgekündigt. Allenthalben geht man davon aus, daß die Privatuniversität wegen ihrer westlichen Ausrichtung bei Staatspräsident Alexander Lukaschenko in Mißkredit fiel. Aus den USA und Europa kamen jährlich eine Vielzahl von Gastlektoren an die EHU, auch finanzielle Unterstützung floß aus dieser Richtung. In Deutschland arbeitete die 1992 gegründete Hochschule eng mit der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt / Oder zusammen.

Die Verbindungen Weißrußlands zur EU werden durch die Universitätsschließung ohne Zweifel Schaden nehmen. Dabei waren sie schon zuvor recht mau. Die 1991 konstituierte Republik Weißrußland sei im Westen so unbekannt wie kaum ein anderes osteuropäisches Land, stellen die Herausgeber des Buches fest. Das möchten sie ändern und verorten die Republik daher demonstrativ in der „Mitte Europas“.

Ein universitäres Experiment

Das Buch vermittelt grundlegende Informationen zu Geschichte, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft des kleinen Landes jenseits der Ostgrenze der Europäischen Union. Der zweite Teil ist aufgebaut wie ein klassischer Reiseführer, mit Hotel- und Restaurantempfehlungen, Ratschlägen für Nachtschwärmer und natürlich jeder Menge Wissenswertem zu wichtigen Sehenswürdigkeiten. Hervorzuheben sind die farbigen und detaillierten Stadtpläne, Karten und Bilder.

Das Buch war eine Art universitäres Experiment. Denn die Beiträge wurden gemeinsam von bis zu sechsundvierzig weißrussischen Studenten und Wissenschaftlern geschrieben und von Lektoren des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) und der Robert-Bosch-Stiftung überarbeitet. Dieses Mammutprojekt ist erstaunlich gut gelungen, auch wenn die eine oder andere Formulierung einen leicht weißrussischen Einschlag nicht verbergen kann.

Einen 2002 neu aufgelegten Reiseführer zu Weißrußland haben wir in der Ausgabe EM 04/02 besprochen.

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